Header image

>> Prüfung

Im Laufe des Scheinerwerbs sind dem Grunde nach zwei Prüfungen zu absolvieren. Eine theoretische Prüfung und ein praktischer Prüfungsflug (der s.g. Checkride). Der Checkride wiederum unterteilt sich in eine mündliche Prüfung (das so genannte Oral Exam) im Vorfeld und den eigentlichen Prüfungsflug im Anschluss. Und das ist kein Selbstläufer! Wer nach der Theorieprüfung müde lächelnd davon ausgeht, nur noch fliegen zu müssen, der irrt gewaltig! Das Oral Exam ist kein orales Zuckerschlecken. Es ist ein dreistündiges Gespräch zwischen Prüfer und Prüfling, in dem nochmals alle relevanten Themengebiete abgeklopft werden. Neben der fachlichen Kompetenz sind verhandlungssichere Kenntnisse der Englischen Sprache von mindestens genau so wichtiger Bedeutung.

Theorie

Die Theorieprüfung (Written Exam) kann in den USA bei zwei unterschiedlichen Institutionen abgelegt werden. CATS und LaserGrade. Die meisten Flugschulen haben einen abgeschotteten Prüfungsraum mit Computern, welche zu einem der beiden Anbieter verbunden sind. Daran lässt sich ganz unkompliziert und flexibel vor Ort der Multiple-Choice Test absolvieren. Klassisches Amerikanisches Muliple Choice wohlgemerkt: Es ist immer genau eine Antwort richtig. Insgesamt sind es 60 Fragen und der Kandidat hat dafür zweieinhalb Stunden Zeit. Das ist mehr als genug. Noch junge, lern- und ablieferungskonditionierte Mitteleuropäer haben sich nach etwa 30 Minuten durch die Antworten geklickt. Zum Bestehen sind mindestens 70% gefordert. Wer allerdings ein derart auf die Kante genähtes Ergebnis einfährt, der darf in der mündlichen Prüfung seine Kenntnisse noch ein Stück genauer präsentieren.

Es bietet sich an die Theorie direkt zu Beginn, möglichst am Tag nach der Ankunft abzulegen. Das macht den Kopf frei und schafft Kapazitäten für die kommende, praktische Herausforderung.

Praxis

Sobald der Fluglehrer mit seinem Zögling den letzten Feinschliff begonnen hat und die Prüfungsreife absehbar wird, kümmert sich die Flugschule um einen baldigen Prüfungstermin für den Checkride. Die FAA Prüfer oder auch DPE (Designated Pilot Examiner) sind höchst erfahrene Praktiker. Hier stellt die FAA gewisse Ansprüche. „Einfache“ PPL-Fluglehrer schaffen es in den USA gewiss nicht, in den behördlichen Prüfungsrat aufgenommen zu werden. Bob, mein Prüfer, 20 Jahre für die US Navy geflogen. Unter anderem in Vietnam. Anschließend lange Zeit in der Behörde für Flugunfalluntersuchung tätig. Solche Leute wissen einfach wirklich, wovon sie reden. Verglichen mit Deutschland, wo Besitzer einer einfachen Privatpilotenlizenz in den Prüfungsrat aufgenommen werden, läuft dieser Prozess in den USA auf einem anderen Niveau. Das erhöht zwangsläufig die Erwartungshaltung und den Anspruch der Prüfung. Aber das ist gut so. Daneben gibt es eine fest vorgeschriebene Prüfungsordnung. Die PTS  (PTS – Practical Test Standards) beschreiben den Ablauf und die Inhalte der praktischen Prüfung ganz genau. Das sorgt für professionelle Standardisierung und hält die Kreativität der Prüfer in engen und klaren Leitplanken. Die PTS sind frei zugänglich und lassen sich auf der FAA Webseite herunterladen.

Und nicht nur, dass es diese Richtlinien gibt, sie werden auch konsequent nachverfolgt. Einige Wochen nach der Prüfung erkundigt sich die FAA telefonisch beim frisch ernannten Piloten über die Prüfung und hinterfragt das Einhalten der Standards.

Die Flugschule bereitet einen gut auf die Prüfung und auch auf den Prüfer vor. Jeder lokale Prüfer hat seine Besonderheiten und kniffligen Lieblingsthemen. Doch sobald der Name des Prüfers feststeht, lassen konkrete Wissensbereiche gemeinsam mit der Flugschule noch ein wenig auf die Erwartung des Prüfers hin trimmen und individualisieren…

Der Prüfungstag selbst sollte komplett geblockt werden. Alles in allem kommen hier schon gute sechs Stunden zusammen.

Der Ablauf gestaltet sich dabei wie folgt:

  • 0,5h: Administration / elektronischer Papierkram (IACRA Account, Ausweis/Reisepass, Geld,…)
  • 3h: Oral Exam gemäß den PTS (Themen wie Zulassungen, Lizenzen, Lufträume, Performance, Weight&Balance, Wetter, Überlandflüge,… und technische Fragen zum Flieger selbst)
  • 2h: Der eigentliche Prüfungsflug. Es werden alle Manöver gemäß PTS geflogen. Jedes Manöver muss entsprechend der vorgegebenen Limits bestanden werden
  • 0,5h: Administration (Ausstellung der vorläufigen Lizenz)

Macht in Summe circa 6 Stunden. Das Gute: Falls bestimmte Prüfungsteile nicht bestanden wurden, dann müssen nur diese Teile wiederholt werden. Beispiel: Zu viel Höhe beim Power-Off Stall verloren und Shortfield-Landing vergeigt. Dann werden nur diese beiden Manöver in einer Wiederholungsprüfung nochmals geflogen.

Außerdem ist es möglich die Prüfung aufgrund technischer Probleme oder ungünstiger Wetterbedingungen zu unterbrechen und an einem anderen Tag wieder aufzunehmen.

Insgesamt ist das alles ziemlich “straightforward” und lässt sich mit dem richtigen Willen und Engagement für die Sache locker meistern!

Ein Kommentar



Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.